Dr. Jekyll und Mr. Hyde für Web Analytics

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Oder: sind Web Analysten schizophren? – Eine neue Studie könnte hierfür Anhaltspunkte liefern

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In der neuesten Studie zu Web Analytics (dieses Mal aus dem Hause Ibi Research: „So steigern Online-Händler ihren Umsatz„, Juni 2011) wird berichtet, dass die korrekte und detaillierte Einhaltung des Datenschutzes unter den Top 3 der wichtigsten Eigenschaften eines Web Analytics Tools angesiedelt ist.

Ein paar Seiten weiter erfährt man jedoch, dass bei ca. 64% der Befragten (in diesem Fall 154 Unternehmen) Google Analytics die (einzige) eingesetzte Lösung ist. Das wundert zunächst. Bei näherer Betrachtung lässt sich aber feststellen, dass nur etwas weniger als ein Drittel der befragten Händler wissen, dass bei Google zum Beispiel die Daten außerhalb Europas gespeichert werden.

Wenn ich also als ernst zu nehmender Händler großen Wert auf Datenschutz lege, sollte ich doch zumindest mal die AGB des Anbieters lesen (oder durch die Rechtsabteilung prüfen lassen). Ist nun Mr. Hyde – also die Freude über ein kostenloses Tool zur Messung und das Missachten von Datenschutz – stärker oder Dr. Jekyll – also die Angst um den Missbrauch von Daten verbunden mit der Unwissenheit über die AGB?

In jedem Fall ist es ein schizophrenes Bild, das sich bietet und über das man immer wieder in Gesprächen stolpert.

Sehr interessant ist jedoch die Erkenntnis der Studie zu den Kennzahlen, die ein Shop-Betreiber am häufigsten ermittelt:

Kennzahlen aus Web Analytics für Online Shops

Auch spannend zu erfahren: Zu wenig Zeit für Erhebung von Auswertungen – also genereller Zeitmangel – ist einer der Hauptgründe, warum KEIN Web Analytics Tool eingesetzt wird. Und dennoch finden sich etliche Shop-Betreiber, die gleich zwei oder mehr Tools auf der Website eingebunden haben. Bringt mich zurück zu Dr. Jekyll und Mr. Hyde – wenn ich keine Zeit habe, sollte ich mich doch auf eine Lösung konzentrieren. Hinzu kommt, dass „Größere Unabhängigkeit vom Anbieter“ auch sehr weit oben genannt wurde, wenn es um die Gründe einer Tool-Doppelnutzung geht. Verstehe ich schon wieder nicht: Wenn ich einen zertifizierten Anbieter mit entsprechender Erfahrung und Renommee wähle, WILL ich mich doch auf die Zahlen verlassen können und damit sogar evtl. meine Online-Marketing-Kampagnen rechtfertigen/begründen/planen/analysieren…

Web Analytics Einsatz bei Unternehmen

Übrigens, 8 von 10 Händlern werten die Analysen selbst aus (trotz fehlender Zeit als größtem Problem im Web Controlling, laut Eigenaussage). Wie soll ich die Studie nun lesen:

Obwohl ich Shop-Betreiber (fast) weiß, dass Google Analytics datenschutztechnisch (sagen wir mal) problematisch ist, nehme ich es und einfach noch ein weiteres Tool zur Analyse, habe aber eigentlich keine Zeit für auch nur eines der beiden, bin aber so zumindest unabhängig.

Ach ja, und jeder vierte Händler setzt auf die Logfile-Analyse zur Auswertung der eigenen Website. Da ist also noch eine Menge Potenzial vorhanden.

Web Analytics Budget

Klarer wird die ganze Studie, wenn transparent wird, um welche Untermehmen es sich hier handelt. Die Tatsache, dass über 70% der befragten Unternehmen weniger als 1 Millionen Euro Umsatz haben, erklärt eventuell die begrenzte und nicht in vollem Umfang genutzte Anwendung von Web Analytics. Da verwundert es auch nicht, dass lediglich ca. 4,4% (also 6 von 136 befragten Unternehmen) mehr als 20.000 Euro in 2010 für Web Analytics ausgegeben haben. Hiermit scheiden High-End Lösungen quasi automatisch aus, wenn Consulting-Leistungen (Sie wissen schon, diese Leistungen, die den Zeitmangel als Problem lösen) und eventuell High-Traffic Volumen zur Lizenz hinzukommt.

Immerhin ist unter allen befragten Disziplinen „Web Controlling“ diejenige, in die in 2011 am meisten investiert werden wird: fast 40% geben an, dass due Ausgaben in diesem Bereich steigen oder stark steigen werden. Ich hoffe, hiermit ist auch gemeint: die Resourcen im eigenen Unternehmen aufzustocken oder auszubilden (siehe 70/30 Regel zur Budgetanwendung in Web Analytics).

Web Analytics Investition in der Zukunft

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