Bounce Rate als Key Performance Indikator?

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Viele Analysten messen der Bounce Rate keine wesentliche Bedeutung bei, ihr Wert jedoch ist hoch – ein Auszug meines Gastkommentars in der Internet World

Damit die Bounce Rate wieder eine Bedeutung als Wissens- und Analysegrundlage gewinnt, muss ihre Bewertung endlich den aktuellen Realitäten im Internet angepasst werden. Mein Vorschlag dafür ist, zwischen einer aktiven und passiven Bounce Rate zu unterscheiden. Eine bisherige Definition lautet nach Patrick Ludolph: „Die Bounce Rate oder Absprungrate ist der Prozentsatz von Besuchern, die eine Seite besuchen und sie sofort wieder verlassen. Man kann diesen Wert als Gesamtwert für die ganze Site oder für jede einzelne Seite ermitteln.“ Die Bounce Rate gilt also per se als negative, abzusenkende Zahl. Doch welche Zeitspanne umfasst „sofort“? Und besitzt diese Bewertung wirklich noch Gültigkeit?

Das Gegenteil ist der Fall: Die Bounce Rate kann ein Key Performance Indikator sein – wenn sie nur richtig beachtet wird. In Zeiten von Social Media, unzähligen Blogs, Posts und Tweets sowie immer kürzer werdenden Zeiträumen, in denen neue Informationen bereit stehen und dem damit oft subjektiv verbunden Eindruck, all diesen Infos nicht Herr werden zu können, steigt der Wert der Bounce Rate-Betrachtung. Jeder Dritte fühlt sich laut BITKOM von der Informationsflut im Internet überfordert („Information Overload“). Andererseits wird auch die Qualität der Erstinformation durch Social Media immer besser.

Gute Landing Pages erhöhen die Bounce Rate sogar
Hier gilt es unbedingt, die Bounce Rate in „aktiv“ und „passiv“ zu unterteilen. Eine gute Landing Page liefert gezielte Informationen, die den Besucher nicht „nötigen“ noch weiter in die Inhalte der Website einzusteigen. Und auch im Social Media-Umfeld ist dies ein beständig zunehmendes Phänomen. Via Twitter werden Links zu relevanten Inhalten verschickt, die sich beim Klicken auf den Link mit dem einfachen Lesen erschöpfen. Es besteht weder Notwendigkeit noch die vorherige Absicht, den Leser tiefer in die Website hinein zu ziehen. Das heißt, wenn ein Besucher eine einzelne Seite einer Website liest, wird er momentan als Bouncer zur Absprungrate hinzugezählt, obwohl er alle Informationen aufgenommen hat und zufrieden (!) die Seite verlässt.

Bounce Rate

Bounce Rate-Zeitspanne
Frühere Diskussionen über die Zeitspanne der Bounce Rate gingen von zehn Sekunden oder mehr aus, bevor der Besucher die Website verlässt. Jedoch hat sich mit dem Anstieg von Informationsfluss und -geschwindigkeit das Aufnahmeverhalten verändert. Innerhalb von fünf Sekunden können die Headline und ein Bild betrachtet und ein Text angelesen werden. Die Bounce Rate sollte deshalb unter dem Gesichtspunkt der Aktivität oder Passivität betrachtet werden. Die zeitliche Festlegung sollte im Idealfall an den Inhalt der betreffenden Site angepasst sein – aber dies ist extrem aufwändig. Im

Allgemeinen kann meines Erachtens nach gelten:
Die Aktive Bounce Rate endet, wenn bis zu fünf Sekunden verstreichen, bevor der Besucher die Website verlässt. Die Passive Bounce Rate wird erzeugt, sobald der Besucher mehr als fünf Sekunden auf der einzelnen Seite verbringt. Diese längere Verweildauer sollte analysiert und je nach Site durchaus positiv bewertet werden. Die Passive Bounce Rate liefert dem Analysten Erkenntnisse über die Qualität seiner Artikel, Produkte etc. Engagement kann als Kriterium der Bounce Rate entgegengesetzt werden, denn es kann nur entstehen, wenn ein Besucher mehrere Seiten anklickt. Aber eben auch, wenn sich seine Verweildauer erhöht. Dies kann ebenfalls in der Passiven Bounce Rate analysiert werden.

Vorschlag für eine erneuerte Definition

Die Bounce Rate gibt an, wie hoch der Anteil derjenigen Besucher einer digitalen Plattform ist, die nur eine Seite geöffnet haben. Hierbei ist in die Aktive Bounce Rate (ABR) und Passive Bounce Rate (PBR) zu unterscheiden: die ABR gibt an, wie viele Besucher innerhalb der ersten 5 Sekunden die Website verlassen haben. Die PBR gibt an, wie viele Besucher die besuchte Seite länger als fünf Sekunden geöffnet hatten.

Die Bounce Rate ist keineswegs eine nur negative Zahl, die unbedingt gesenkt werden muss. So könnte ein gewünschtes Besucher-Szenario einer Landingpage aussehen:
Bounce Rate - neue Definition

Den ausführlichen Artikel gibt es online im Heftarchiv der Internet World.

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