29. MONTAGS-Interview auf Web Analytics Europa – Heute: Boris Hedde

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Schadet eCommerce dem Handel? Boris Hedde, Geschäftsführer beim IFH Institut für Handelsforschung, hat vor wenigen Tagen eine Studie veröffentlicht, die Einblicke in Synergien und Gegensätze von eCommerce und stationärem Handel gibt

IFH Koeln Boris Hedde eCommerce Studie

Web Analytics Europa interviewte Boris Hedde aufgrund der letzten Pressemitteilung zu eCommerce vs stationärer Handel. Vor seiner Tätigkeit als Geschäftsführer beim IFH war Hedde fast 10 Jahre in der Marktforschung – mit speziellem Fokus auf Marke und Kommunikation. Bis 2008 war er für das Forschungs- und Beratungsunternehmen Sport+Markt AG tätig.

Web Analytics Europa: Das Institut für Handelsforschung hat den Einfluss des Onlineshoppings auf den stationären Handel untersucht. Können sie kurz die Aufgaben des IFH sowie die Herangehensweise beschreiben?

Boris Hedde: Als Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis bietet das IFH Köln seit 1929 Forschung und Beratung für den Handel und die Konsumgüterindustrie. Das IFH Köln und die Online-Abteilung des Instituts – das ECC Köln – veröffentlichen Studien zu aktuellen Themen des Handels, wie beispielsweise Cross-Channel, Mobile, Nachhaltigkeit oder Marken. Mithilfe unserer umfangreichen Datenbanken können wir Märkte detailliert analysieren und Strategien entwickeln. So können wir als Brancheninsider praxisrelevantes Wissen für erfolgreiche Unternehmensentscheidungen liefern.

Web Analytics Europa: Was sind die markantesten Ergebnisse in dieser Studie, mit wem haben Sie die Studie durchgeführt?

Boris Hedde: Bei den Ergebnissen handelt es sich nicht um eine eigenständige Studie zum Thema Innenstadtfrequenzen, sondern um Teilergebnisse des allgemeinen Teils unseres CSR-Trackers mit Schwerpunktfragen zum Thema Nachhaltigkeit und E-Commerce. Das IFH Köln misst mit dem halbjährlichen CSR-Tracker die öffentlich wahrgenommene Corporate Social Responsibility im Handel. Befragt werden dabei Verbraucher zur ihrer Einschätzung von insgesamt knapp 50 verschiedenen Einzelhändlern. Dabei wird zwischen sechs relevanten CSR-Dimensionen unterschieden. Die Studie haben wir eigeninitiativ durchgeführt.
Der halbjährlich erscheinende CSR-Tracker kann über den Online-Shop des IFH Köln bezogen werden.

eCommerce versus stationärer Handel - Studie des IFH

Web Analytics Europa: Nun lautet das Ergebnis, dass Online dem stationären Handel doch deutlich das Wasser abgräbt, auch wenn Sie weiterhin von Chancen für den Einzelhandel sprechen? Welche Chancen sind das?

Boris Hedde: Schon die Betrachtung, den Einzelhandel als rein stationäres Spielfeld zu sehen, entspricht genau dem notwendigen Wechsel im Mindset. Keiner gräbt keinem das Wasser ab, sondern die Strukturen verändern sich. Wer diese Veränderung mitgeht und die Bedürfnisse der Kunden versteht, wird auch erfolgreich bleiben. Wer jedoch die Augen verschließt und nicht für neue Trends offen ist, wird ein großes Problem haben. Die Branche unterliegt aktuell einem überaus starken und dynamischen Wandel. Die Karten werden neu gemischt – neue Konzepte werden erprobt, kanalübergreifende Strategien implementiert. Derjenige Händler – ob online oder offline, klein oder groß – der seine Kunden am besten versteht und Services, Sortimente und allgemeine Mehrwerte mitbringt wird sich durchsetzen können.

Web Analytics Europa: Wie sollte der stationäre Einzelhandel in den nächsten Jahren gewappnet sein? Empfehlen Sie nun jedem einen Online-Shop oder wie sehen Ihre Hilfestellungen für den Handel aus?

Boris Hedde: Nicht jeder Händler braucht zwangsläufig einen eigenen Onlineshop, aber jeder braucht eine eigene Online-Strategie. Ein Online-Shop ist nur ein Weg im Netz aktiv zu sein. Auch Verbundlösungen, die Nutzung alternativer Online-Vertriebswege (z.B. Marktplätze) oder der Einsatz mobiler Applikationen zur Unterstützung des stationären Umsatzes können Lösungen sein. Hierfür gibt es kein allgemeingültiges Erfolgsschema, Strategien müssen immer für den Einzelfall entwickelt werden. Je nach Branche, Preislage, Standort und Konzept sind differenzierte Analysen notwendig, um die richtige Strategie zu finden.

Web Analytics Europa: Werden Sie diese Studie jährlich wiederholen?

Boris Hedde: Nein, wie oben beschrieben, handelt es sich bei der veröffentlichten Pressemeldung lediglich um ein Teilergebnis der Sonderfragen unserer Studie CSR-Tracker.

Web Analytics Europa: Wie ist Ihre Einschätzung zur Zukunft der Beziehung zwischen Online und Handel: Kannibalisierung oder Ergänzung?

Boris Hedde: Der Online-Handel ergänzt den stationären Handel und kann auch zu Zusatzumsätzen verhelfen, die ohne den Online-Kanal nicht realisiert worden wären. Laut unserer Befragung gibt rund jeder Fünfte an, nicht seltener in die Stadt zu fahren, obwohl auch online Käufe getätigt werden. Der Online-Kanal übernimmt demnach Showroom-Funktionen für den stationären Handel. Laut unserer aktuellen Cross-Channel-Studie werden rund 50 Prozent des stationären Umsatzes durch Online-Recherchen vorbereitet. Es zeigt sich also, wie wichtig die Verknüpfung der einzelnen Vertriebskanäle ist. Vor diesem Hintergrund sind auch die Städte gefragt Rahmenbedingungen für den Handel zu schaffen und sich attraktiv zu präsentieren.

Die gesamten Interviews der MONTAGS-Reihe finden Sie hier: MONTAGS-Interview auf Web Analytics Europa

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