24. MONTAGS-Interview – Heute: André Morys

twitterlinkedin

Web Analytics Europa interviewte André Morys, einen der führenden Köpfe für Themen wie Conversion oder auch Neuromarketing im deutschsprachigen Raum

Andre Morys auf Web Analytics Europa

André Morys gründete 1996 die Web Arts AG als Beratungsunternehmen und Agentur für digitale Wertschöpfung. Web Arts hat mittlerweile 35 Mitarbeiter und betreut ein Lead- /Retailvolumen von 2.8 Milliarden Euro. Web Arts zählt damit zu den führenden Anbietern von E-Commerce- und Conversion-Optimierung. Zu den Kunden zählen B2C Retailer wie Baur, Schwab und frontlineshop ebenso wie B2B Anbieter wie Printus, Sage oder Sparkassen-Leasing, denen Web Arts geholfen hat, die Konversionsrate teilweise mehr als zu verdoppeln.

Die Blogs und Berichte von André Morys unter konversionskraft.de werden von Fach und Publikumsmedien gleichermaßen aufgegriffen.

Er ist zusätzlich seit 2004 als Dozent für Usability und User Centered Design an der Fachhochschule Gießen-Friedberg und hält Vorträge auf Messen und Kongressen zu den Themen E-Commerce und Conversion Optimierung.

Web Analytics Europa: Beschreiben Sie bitte das Kerngeschäft Ihres Unternehmens (optional: Ihres Aufgabengebiets)

André Morys: Unser Geschäft bei Web Arts ist Conversion Optimierung – d.h. die radikale Optimierung betriebswirtschaftlicher Kennzahlen (im Gegensatz zur Optimierung nach „kreativen“ Aspekten). Dies machen wir für Unternehmen, deren Markterfolg maßgeblich von Prozessen im Internet abhängt, in der Regel Onlineshops oder Portale, die Umsatz, Leads- oder Anträge generieren.

Web Analytics Europa: Welches aktuelle Projekt ist so spannend, das Sie davon berichten möchten? Welche Ziele wurden verfolgt und wie ist das Ergebnis? (Gerne mit Screenshots etc.)

Morys: Im Kern der Optimierungen steht die Tatsache, dass alle Online-Prozesse in Wirklichkeit gar nicht wirklich „online“ sind – denn sie durchlaufen den Kopf den Nutzers. Der Nutzer sieht den Bildschirm mit seinen Augen, er bewertet dass, was er sieht mit seinem Kopf. Er entscheidet auf Basis seiner Gefühle. Er klickt – oder eben nicht. Das alles klingt für die meisten knallharten E-Commerce-Manager sehr esoterisch. Daher haben wir die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen von „Emotionen“ im Entscheidungsprozess untersucht. Das Ergebnis: Die richtige Emotion zu treffen hat einen zehnfach höheren Uplift im Vergleich zu einer „oberflächlichen“ Optimierung. Details zu dieser Case-Study gibt es hier: Conversion Optimierung.

Web Analytics Europa: Welche Key Performance Indikatoren sind für Ihre Kunden generell wichtig? (Bitte keine „es kommt darauf an“-Antwort…)

Morys: Unsere Kunden schauen primär auf die Konversionsrate weil sie am einfachsten zu messen ist. Noch empfehlenswerter ist eine Betrachtung der erzielten Umsätze oder sogar der Deckungsbeiträge – so weit sind jedoch viele Portal- und Shopbetreiber noch nicht. Die Konversionsrate korreliert jedoch mit diesen Werten am höchsten. (Mehr dazu übrigens in einem Artikel von mir auf diesem Blog: Konversion und Umsatz sind nicht relevant).

Web Analytics Europa: Welche aktuelle Online-Entwicklung verfolgen Sie mit großem Interesse und halten Sie auch für die nächsten Jahre noch als relevant?

Morys: Das Web ist aus – sagen wir einmal „historischen Gründen“ – sehr stark aus Agentur- und Marketingprozessen heraus gewachsen. In den letzten 15 Jahren gab es einen unbeschreiblichen Wachstumsprozess der erst allmählich zu Ende geht. Für mich persönlich ist dieser Wandel interessant – wie gehen Unternehmen mit dem Übergang vom Wachstums- zum Verdrängungswettbewerb um? Welche Strategien und Prozesse lassen E-Commerce-Companys die kommende Konsolidierungswelle erfolgreich zu überstehen? Am Ende eines jeden Hypes und jeder Buzzword-Welle zählen Resultate.

Web Analytics Europa: Wo sehen Sie Ihr Unternehmen 2020? Mit welchen Herausforderungen werden Sie dann konfrontiert sein?

Morys: Das sind ja nur noch 9 Jahre … Bis dahin hoffe ich, dass alle Buzzwords durchgekaut sind und sich die meisten Portalbetreiber auf ihre Wertschöpfungsprozesse konzentrieren.

Web Analytics Europa: Auf welchen Portalen/Blogs etc. informieren Sie sich?

Morys: Eine gute Frage. Ich habe eine Liste von etwa 100 Blogs und RSS-Feeds, die ich permanent lese. Einen Teil davon hat mein Kollege Torsten Hubert auf seinem Blog veröffentlicht. Hier ist der Link: Wichtige Online-Inhalte für Conversion Professionals

Web Analytics Europa: Welche Themen aus Ihrem privaten Umfeld haben direkten Einfluss auf Ihren Beruf (Antwort optional)?

Morys: Das ist sehr einfach. Meine Frau ist Psychologin. Diese Tatsache hat das Geschäftsmodell und die Ausrichtung von Web Arts gravierend beeinflusst. Wir haben eine Weile gebraucht, bis wir den Mut hatten, uns vom Bild der kreativitätsgesteuerten Web-Agentur zu verabschieden und einen Weg zu gehen, der uns „businessrelevanter“ zu sein schien. Dabei ging es immer um die Frage „Was bewegt Menschen? Wie entscheiden sie sich? Warum? Was bringt sie zum Klicken?“. Daher spielen Disziplinen wie Konsumpsychologie, Verhaltensökonomik und Neuromarketing eine große Rolle bei Web Arts.

Web Analytics Europa: Welche Frage wollten Sie schon immer einmal beantworten, wurden aber noch nie gefragt?

Morys: „Warum heißt die Firma denn ausgerechnet Web Arts?“ – das frage ich mich selbst jedenfalls ab und an. Ich glaube unser Namens-Brainstorming hatte seinerzeit nach vier Stunden immer noch kein Ergebnis, und damals wussten wir noch zu wenig über unser Business. „Web Arts“ klang irgendwie ganz nett und die Domain war noch frei…

Allgemeines:
Seit wann beschäftigen Sie sich mit der Online-Welt?
1996

Wer ist Ihr Online-Vorbild? Wer hat Sie beeinflusst?
Bryan Eisenberg – einer der wenigen echten Experten, die die Zusammenhänge begreifen.

Wie lange sind Sie beruflich/privat pro Woche online?
Dank iPhone so ziemlich permanent – außer ich schlafe.

Ihre privaten Interessen (optional)?
Musik (ich wollte einmal Toningenieur werden).

Ihr aktuelles Desktop-Motiv auf Ihrem Büro-PC?
Ein Apple Hintergrund (wie einfallslos).

Ihr Twitter-Account?
@morys

Was stand in Ihrem letzten Tweet?
Important/Measured

Auf welchen Follower sind Sie stolz?
Huh – wirklich stolz? Keine Ahnung. Ich bin immer wieder überrascht, wenn mir die „US-Experten“ folgen, obwohl ich zu 50% auf Deutsch twittere. Manche lesen unsere Blogposts per „Google Translate“ und schreiben mir dann zurück. Das zeigt mir, wir klein die Welt dank Blogs und Twitter geworden ist.

Das vorangegangene 23. MONTAGS-Interview finden Sie hier: Online-Experten im Gespräch mit Web Analytics Europa

twitterlinkedin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.